Vom Nautiker zum Fischer
Marcus Wöster setzt auf regionale Fischerei
Mit 39 Jahren wagt Marcus Wöster den Schritt in die Fischerei. Er bewirtschaftet das Windebyer Noor bei Eckernförde, fährt mit seinem Kutter „Ecke 4“ auf die Ostsee und verarbeitet und verkauft seinen Fang selbst. Im Interview erzählt er, was ihn an seinem Beruf reizt und warum regional gefangener Fisch mehr Wertschätzung und faire Preise verdient.

Was macht den Beruf des Fischers für dich besonders?
„Das Schönste ist für mich die Zeit auf dem Wasser. Das war eigentlich schon immer so. Besonders spannend ist, dass man jeden Tag neu entscheiden muss. Wo fahre ich heute hin, welche Netze setze ich? Und dann ist da dieser Moment, wenn man das Fanggerät aus dem Wasser holt und schaut, was drin ist. Manchmal läuft es richtig gut, manchmal fährt man mit wenig Fang nach Hause und fragt sich: Was mache ich hier eigentlich? Aber genau diese Abwechslung macht den Reiz des Berufs aus. Auf dem Wasser bin ich für mich, mitten in der Natur und den Elementen ausgesetzt. Mal ist es warm, mal kalt, mal stürmt es, mal liegt der See spiegelglatt da. Jeder Tag ist anders und auf seine Weise schön. Dazu kommt die Arbeit an Land. Ich begleite den Fisch vom Fang über die Verarbeitung bis zum Verkauf im Laden und decke damit die gesamte Wertschöpfungskette ab. Das bedeutet zwar viel Arbeit und Bürokratie, aber gerade die Vielfalt ist es, die den Beruf für mich so besonders macht.“
Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für die Küstenfischerei?
„Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht der Zustand unserer Gewässer. Wenn wir keine Fische mehr haben, können wir auch nichts fischen. Deshalb müssen wir die Gewässerqualität verbessern und die Umweltbedingungen so gestalten, dass sich die Fischbestände wieder erholen können. Am Windebyer Noor haben wir im Winter zudem mehrere Tausend Kormorane, da gerät das ökologische Gleichgewicht aus dem Lot. Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir auch über ein verantwortungsvolles Prädatorenmanagement sprechen.“
Was wünschst du dir für die Zukunft der Fischerei?
„Ich wünsche mir, dass wir in der Gesellschaft wieder mehr Bewusstsein dafür schaffen, was vor Ort gefischt wird und welche regionalen Fischarten verfügbar sind. Gleichzeitig wäre es schön, wenn die Nachfrage nach diesen Produkten steigt und Preise gezahlt werden, die für die Betriebe auskömmlich sind. Die Küstenfischerei ist ein Handwerk, das mehr Wertschätzung verdient.“